Heute traf ich, nennen wir ihn mal „Hugo“, der einen fürchterlicher Muskelkater hatte. Mit leuchtenden Augen erzählte er mir dass er vorgestern wieder mal so richtig hart trainiert habe und es „geil“ finde jetzt so einen richtigen Muskelkater zu haben. Meine, sich in Grenzen haltende Begeisterung, für seinen Muskelkater konnte er nicht wirklich verstehen und meine Bemerkung ob er auch sonst auf „Sado“ stehe fand Hugo nicht lustig. „Sorry Hugo“!
Wer Muskelkater hat, hat falsch trainiert. Nicht nur „Fernsehsportler“ oder wie man neuerdings sagt „Couch-Potatoes“ kennen es, dieses fiese Gefühl des Muskelkater. Auch gut trainierte Athleten erwischt es ab und zu. Bei den erst genannten, geht dann die Lust auf weitere Trainings gerne ganz schnell verloren. Das muss nicht sein! Muskelkater an sich schadet grundsätzlich nicht. Er ist aber nicht, wie viele das immer meinen, ein Zeichen dafür das „richtig“ taff trainiert wurde, sondern ein Zeichen dass zu hart trainiert wurde. Muskelkater entsteht nach (zu) intensiver Belastung eines Muskels. Klassisches Beispiel: Lange Wanderung mit einem grossen Abstieg. Der vordere Oberschenkelmuskel wird ausserordentlich und ungewohnt belastet. Dadurch entstehen kleinste Muskelfaser-Verletzungen und das führt zum „Muskelkater“. Selbstverständlich gibt es auch bei Muskelkater einen positiven Effekt. Beim nächsten Training, sobald der Muskelkater abgeklungen ist, dauert es ein wenig länger bis es schmerzt da der Muskel stärker geworden ist. Richtiges dosiertes Training, mit ausreichend hoher Belastung, trainiert Muskeln ohne Muskelkater und man braucht keine Pause um die Schmerzen abklingen zu lassen. Während der Regenerationsphase, die auch mal fast eine Woche dauern kann, sollte der Muskel geschont werden. Bei erneutem Muskelkater drohen nämlich Muskelverhärtungen bis hin zum Muskelriss! Wer zum Beispiel gestern (zu hart) laufen war, könnte heute, statt mit Schmerzen zu laufen, beispielsweise locker Rad fahren.
Und wenn es doch passiert was kann man tun? Wärme ist immer gut. Sauna, Dampfbad oder einfach ein warmes Bad. Keinesfalls Stretchen! Sanft bewegen und keine allzu langen Einheiten trainieren. (z.B. Walken statt Joggen) Die ohnehin schon vorhandenen Mikrofaserrisse können so nicht heilen oder werden sogar noch verschlimmert. Wenn ich Kopfschmerzen habe, haue ich mir ja nicht auch noch zusätzlich die Faust auf den Kopf…. („Hugo“ vermutlich schon oder 😉

Der Blick nach draussen sagt uns der Herbst ist da. Mit dieser Jahreszeit kommt für viele das Ende der Wettkampf-Saison und meistens der Übergang zu einer kürzeren oder auch längeren Trainingspause. Anschliessend Planung der nächsten Saison und Wiedereinstieg in den Trainingsalltag, passend (hoffentlich) zur Saisonplanung und der angestrebten Ziele und Höhepunkte 2013. Meistens erfolgt das alles ganz klassisch und nach althergebrachten Plänen, Erfahrungen und Mustern. (Man weiss ja schliesslich Bescheid;) Mir fällt auf dass gerade im Radsport lange, (oder sollte ich sagen zu lange?) in alten Schemen und Mustern gedacht, gearbeitet und trainiert wurde/wird. In den letzten Jahren hat sich vieles verändert. Wenn man, was die Trainingsmethodik anbetrifft, genau hinsieht bleibt da in verschiedenen Bereichen kaum „ein Stein auf dem andern“. Egal in welcher der Radsport- Ausdauerdisziplinen. Ich bin gespannt was die doch zahlreichen Trainingsportale oder Anbieter von Trainingsplänen für Hobbyfahrer- Innen mit diesen Erkenntnissen anfangen werden. Persönlich werde ich, was meine Trainingsplanung anbetrifft, den bereits vor Jahresfrist eingeschlagenen Weg mit neuen fortschrittlichen Trainingsformen fortsetzen. Selbstverständlich werde ich, vorausgesetzt die Gesundheit spielt mit, auch im kommenden Jahr Events und Rennen bestreiten. Weil ich nach wie vor Lust dazu habe und auch nicht (zu) bequem werden möchte. Dazu kommt das Privileg über ein passendes Umfeld, inkl. Material, zu verfügen, respektive geschaffen zu haben. Ich mag auch, im Gegensatz zu den meisten meiner Alterskollegen, den Druck am Tag x und Stunde 0, am Start zu stehen. Selbstverständlich habe ich vollstes Verständnis dafür dass sie, die Senioren, keine Zeit haben und sich nichts mehr beweisen müssen. (Zwar die dümmsten aller Ausreden aber auch die am meisten verbreitete oder beliebteste)…
Die Wetterprognosen bei der Anreise ins Unterengadin waren nicht gerade vielversprechend. Es wird doch nicht wieder… Nein! Dieses Jahr gab es keinen Regen und keinen Schnee sondern „frische“ aber zum biken angenehme Temperaturen etwas feuchte und glitschige Streckenteile das es in der Nacht vorher teilweise kräftig geschüttet hatte. Nach dem bösen Sturz vor zwei Wochen hatte ich noch immer mit den Verletzungen im Schulter und Hüftbereich zu kämpfen. Besonders in den Anstiegen merkte ich schon dass ich nicht richtig am Lenker „ziehen“ konnte und bei den Abfahrten meldeten sich die Haarrisse im Schlüsselbein ganz deutlich. Trotzdem gelang mir ein ansprechendes Resultat und ein gutes Rennen. Obwohl ich es schaffte ausgerechnet bei den beiden längeren Flachstücken allein auf weiter Flur vor mich „hinzufahren“ verlor ich auch dort nicht allzu viel Zeit. Der Aufstieg nach Guarda war in diesem Jahr regelrecht ein Genuss und locker zu fahren. Die anwesenden (Männlichen) Zuschauer nutzten die Chance den Teilnehmerinnen, mit dem Vorwand zu schieben, kräftig an den Hintern zu fassen. Statt „Watschen“ gab es dafür sogar ein gekeuchtes Dankeschön. Liebe Zuschauerinnen ich hätte mich auch bedankt 😉 Spass beiseite. In den Dörfern herrschte wieder ein tolles und stimmungsvolles Ambiente. Auf der Traverse von Ftan bis zur Abfahrt, ein mühsames auf und ab, schaute kurz der Mann mit dem grossen Hammer bei mir vorbei. So dass ich in der Abfahrt hinunter nach Scuol nochmals alles riskieren musste um die angepeilten 2:30 zu schaffen. Tempi über 60kmh auf feuchten Feldwegen und Schotterstrassen sind immer ein gewisses Risiko. Ich hoffte einfach, dass wenn ich abfliege dann mindestens auf der rechten unversehrten Seite lande. Ich hatte Glück und schaffte beides. Kein Sturz und die 2:30. Einen herzlichen Dank an die Organisation und die zahllosen Helfer. Ihr habt einen tollen Job gemacht. Vielen Dank!