09.06.2026 Manchmal ist Nichtstun die härteste Einheit…

Die letzten Tage liegen hinter mir. Die meiste Zeit verbrachte ich unter einer Decke, oft liegend, begleitet von Schmerzen, Müdigkeit und der einen oder anderen düsteren Gedankenwolke. Zwischendurch gab es sogar Momente, in denen ich dachte: «Ich mag nicht mehr.»

Zum Glück hat man in solchen Situationen viel Zeit zum Nachdenken. Manchmal sogar etwas zu viel. Denn wenn der Körper zur Ruhe gezwungen wird, beginnt der Kopf oft Überstunden zu machen. Doch am Ende haben die negativen Gedanken nicht gewonnen. Im Gegenteil. Irgendwann wurde mir klar, dass ich noch das eine oder andere Ziel habe. Dinge, die ich erleben, erreichen und geniessen möchte. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Also weg mit dem Selbstmitleid und weg mit den dunklen Gedanken. Sie helfen weder bei der Genesung noch auf dem Weg zurück.

Unausweichlich nähere ich mich nun dem Termin, an dem es meinem Tumor an den Kragen geht. Bis dahin arbeite ich so hart wie es die Situation zulässt an meiner körperlichen Verfassung. Einerseits, um den Eingriff möglichst gut zu überstehen, andererseits, um danach wieder den Weg zurück zu sportlichen Leistungen zu finden.

Im Hinterkopf beginnt sich zudem ein etwas «verrückter» Plan für den kommenden Herbst zu formen. Noch ist es viel zu früh, darüber detailliert zu sprechen. Träume und Ziele dürfen reifen wie ein guter Wein.

Vorerst gilt der Fokus aber einer einzigen Aufgabe: Gesund werden.

Alles andere kommt danach.

02.06.2026 Ein Monat später – Kurs halten…

Vor genau einem Monat erhielt ich die Diagnose Nierenkrebs. Seitdem ist einiges passiert. Zahlreiche Arzttermine standen auf dem Programm, Untersuchungen wurden durchgeführt, Entscheidungen mussten getroffen werden und natürlich galt es auch, die Diagnose mental zu verarbeiten.

Wer schon einmal mit einer solchen Situation konfrontiert war, weiss: Die medizinischen Termine sind das eine. Die Gedanken dazwischen sind oft die grössere Herausforderung. Plötzlich beschäftigen einen Themen, die vorher weit weg schienen. Gleichzeitig läuft das normale Leben weiter und fordert seinen Platz.

Trotz allem habe ich in den vergangenen Wochen erstaunlich viel trainiert. Nicht immer mit Höchstleistungen, nicht immer mit voller Leichtigkeit, aber regelmässig und mit Überzeugung. Es gab körperlich gute Tage und es gab mentale Täler, die durchschritten werden wollten. Auch das gehört zur Realität dazu.

Gerade die Bewegung hat mir geholfen, den Fokus nicht zu verlieren. Auf dem Bike, beim Laufen oder beim Krafttraining werden viele Gedanken etwas leiser. Man konzentriert sich auf den nächsten Kilometer, den nächsten Anstieg oder die nächste Wiederholung – und plötzlich wirkt vieles wieder machbarer.

Besonders erfreulich ist, dass ich mich aktuell sehr gut fühle. Meine körperliche Verfassung ist auf einem erfreulich hohen Niveau und entwickelt sich weiterhin positiv. Das gibt mir Vertrauen für die bevorstehende Operation und die anschliessende Genesungsphase.

In den letzten Wochen habe ich zudem einige Dinge neu geordnet. Prioritäten wurden überprüft, Gewohnheiten angepasst und der Blick auf das Wesentliche geschärft. Dabei durfte ich feststellen, wie wertvoll ein gutes Umfeld ist. Familie, Freunde, Trainingskollegen und viele positive Rückmeldungen helfen mir dabei, diesen Weg mit Zuversicht und Motivation weiterzugehen.

Die Operation rückt näher und damit der nächste wichtige Abschnitt dieser Geschichte. Respekt davor habe ich. Angst jedoch nicht. Dafür gibt es schlicht zu viele Gründe, optimistisch zu bleiben.

Mein Ziel bleibt unverändert: Die Behandlung erfolgreich meistern, die Genesung konsequent angehen und möglichst bald wieder dort sein, wo ich mich am wohlsten fühle – auf dem Mountainbike, unterwegs in den Bergen.

Bis dahin gilt weiterhin: Fokus halten, nach vorne schauen und Schritt für Schritt weiterfahren. Denn auch der längste Anstieg endet irgendwann auf einem Gipfel.

Ganz gut ist mir zu wenig…

Zwischenstand mit Luft nach oben

Die letzten Wochen waren gut. Solide, regelmässig, strukturiert – genau so, wie Training sein soll. Kein wildes Hin und Her, sondern kontinuierliche Arbeit an Form und Grundlage. Und das Wichtigste vorweg: Ich bin gesund, belastbar und motiviert. In unserem Alter keine Selbstverständlichkeit – eher ein kleines Privileg.

Natürlich wäre es jetzt verlockend zu sagen: läuft perfekt. Tut es aber nicht ganz. Und das ist auch gut so.

Denn bei aller Konstanz zeigt sich klar: Da geht noch mehr. Vor allem auf dem Rad. Während Laufen und allgemeine Fitness auf einem ordentlichen Niveau sind, hinkt das spezifische Bike-Training noch etwas hinterher. Die Beine wissen zwar grundsätzlich, was zu tun ist – aber sie könnten es deutlich besser und vor allem länger tun.

Oder anders gesagt: Die Grundlage stimmt, aber der Motor braucht noch ein paar zusätzliche Umdrehungen.

Das ist keine Überraschung, sondern eher eine Standortbestimmung. Genau dafür sind diese Wochen ja da. Trainieren, beobachten, anpassen. Kein Drama, sondern Teil des Prozesses. Wer glaubt, dass immer alles linear nach oben geht, hat entweder Glück – oder misst nicht genau genug.

Was mich aktuell besonders freut: Die Energie ist da. Die Lust auf Training auch. Kein Ziehen, kein Zwicken, kein lästiger Begleiter im Hintergrund. Einfach rausgehen, trainieren und sich danach angenehm müde fühlen. Genau so soll es sein.

Der Fokus für die nächsten Wochen ist damit klar gesetzt: Mehr Qualität auf dem Rad. Etwas mehr Druck auf die Pedale, etwas mehr Struktur in den Einheiten – und vielleicht auch das eine oder andere freundliche Gespräch mit dem inneren Schweinehund, der beim Intervalltraining gerne mal kreative Ausreden findet.

Fazit:
Gute Basis gelegt. Gesundheit top. Motivation vorhanden.
Jetzt geht’s darum, aus „gut“ Schritt für Schritt „besser“ zu machen.

Oder ganz einfach:
Der Weg stimmt – jetzt darf das Tempo noch ein bisschen steigen. 🚴‍♂️

Zurück auf Kurs…

Die letzten Wochen verliefen anders als geplant. Statt Trainingskilometer zu sammeln, Pulsbereiche zu optimieren oder neue Trails zu erkunden, stand etwas ganz anderes im Mittelpunkt: gesund werden.

Manchmal entscheidet nicht der Trainingsplan, sondern das Leben selbst über Tempo, Richtung und Prioritäten. In meinem Fall bedeutete das Arzttermine statt Ausfahrten, Ruhe statt Belastung und Geduld statt Leistungssteigerung. Es war eine Phase, die ich mir so nicht ausgesucht hätte — die aber meine volle Aufmerksamkeit verlangte.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Es gab gesundheitliche Baustellen, die ernst genommen werden mussten und entsprechende Behandlungen nach sich zogen. Operation, Medikamente, Nebenwirkungen und eine gehörige Portion Erschöpfung gehörten dazu. Zusätzlich stehen noch einige neurologische Abklärungen an. Nichts, was ich auf die leichte Schulter nehme — aber auch nichts, das mir im Moment die Zuversicht nimmt.

Denn das Wichtigste: Aktuell geht es mir gut. Die Kräfte kehren zurück, der Kopf ist klar, und die Motivation ist ungebrochen.

Diese erzwungene Pause hat mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll Gesundheit ist — und wie sehr Bewegung, Natur und Sport zu meinem Wohlbefinden gehören. Training ist für mich nicht nur Vorbereitung auf Wettkämpfe, sondern Lebensqualität. Umso schöner ist es, wieder vorsichtig in den Rhythmus zurückzufinden.

Der März wird noch von einigen Untersuchungen begleitet sein, aber gleichzeitig markiert er den Neustart: behutsam, aufmerksam, ohne falschen Ehrgeiz — dafür mit umso mehr Dankbarkeit.

Die kommende Sommer- und Bike-Marathon-Saison bleibt fest im Blick. Vielleicht nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie in früheren Jahren, aber mit einer Portion zusätzlicher Motivation. Wer einmal gezwungen war zu pausieren, weiss, wie kostbar jeder schmerzfreie Kilometer ist.

Ich starte nicht bei null — sondern mit Erfahrung, Geduld und einer neuen Perspektive.

Und vor allem: mit Zuversicht.

Mein Scott Scale wartet ungeduldig. In der Zwischenzeit hat es noch eine absenkbarer Sattelstütze erhalten…

09.02.2026 Richtung Frühling…

Januar ist definitiv nicht mein Monat.

Gelassenheit ist eine Tugend, die stetiges Lernen erfordert – zumindest bei mir. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diesen Monat nicht mag: dunkel, kalt, und der Frühling scheint gefühlte Jahre entfernt. Jedes Jahr denke ich kurz, vielleicht bin ich inzwischen gelassener geworden, vielleicht macht es mir diesmal weniger aus. Doch auch 2026 ist es nicht anders. Und vielleicht liegt die eigentliche Gelassenheit nicht darin, diesen Monat plötzlich zu mögen, sondern darin, mich nicht dafür zu verurteilen, dass ich ihn einfach nur überstehen will.

Zum Glück sind wir bereits im Februar angelangt. Ein Monat, der zumindest so tut, als ginge es vorwärts. Die Tage werden merklich länger, das Licht bleibt abends ein paar Minuten hartnäckiger, und irgendwo draußen wagen sich erste Frühlingsboten hervor – vermutlich ebenso vorsichtig wie wir selbst. Noch kein Grund für Euphorie, aber doch für vorsichtigen Optimismus. Also vorwärts Richtung Frühling: mit hochgezogenen Schultern, einem Rest Skepsis und der leisen Hoffnung, dass wir ihn dieses Jahr vielleicht ein kleines bisschen früher spüren dürfen.

Den Februar nutze ich bewusst nicht für Heldentaten, sondern für Klarheit. Körperliche Tests, Bestandsaufnahmen und gezielte Vorbereitungen standen im Vordergrund. Keine Jagd nach Bestzeiten, kein Vergleich mit früheren Jahren – sondern ein nüchterner Blick auf den aktuellen Zustand.

Leistungsdiagnostik, Kraftchecks, Beweglichkeit, Stabilität: Alles, was im Sommer gerne ignoriert wird, bekam jetzt seinen Platz. Manche Werte bestätigten das gute Gefühl, andere erinnerten mich daran, dass Training mit zunehmendem Alter vor allem eines braucht: System und Respekt vor dem eigenen Körper.

Diese Phase ist leise, unspektakulär und genau deshalb so wichtig. Sie legt das Fundament für die kommenden Monate. Wer hier schludert, zahlt später den Preis. Wer hier sauber arbeitet, gewinnt Sicherheit – im Kopf wie in den Beinen.

Der Februar ist kein Monat der Schlagzeilen, sondern der Vorbereitung. Und genau so soll es sein.