2026: Keine Startnummer mehr – dafür ein Plan

Die Entscheidung ist gefallen: 2026 werde ich keine Events mehr bestreiten.

Natürlich hätte es mich gereizt, im Spätherbst doch noch irgendwo eine Startnummer ans Bike zu hängen. Aber nur um sagen zu können „Ich war wieder dabei“? Nein. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.

Nach den vergangenen Monaten geht es für mich nicht darum, möglichst schnell wieder irgendwo am Start zu stehen. Es geht darum, wieder richtig zurückzukommen.

Mein Blick richtet sich deshalb bereits auf das Frühjahr 2027. Bis dahin habe ich genügend Zeit, einen sauberen und vor allem nachhaltigen Aufbau hinzubekommen.

In den kommenden Monaten stehen deshalb Grundlagenausdauer, Kraft, Stabilität und Regeneration im Mittelpunkt. Schritt für Schritt sollen später wieder längere Einheiten, Höhenmeter und gezielte Intensitäten dazukommen.

Und da wäre noch eine Baustelle, die ich keinesfalls unterschätzen darf: meine Fahrtechnik.

Da ist in den vergangenen Monaten einiges verloren gegangen. Sicherheit, Routine und dieses selbstverständliche Gefühl auf dem Mountainbike sind nicht mehr ganz dort, wo sie einmal waren. Also wird auch daran gearbeitet: Kurventechnik, Blickführung, Bremsen, Balance, enge Kehren, technische Anstiege und Abfahrten.

Dabei gilt: erst Sicherheit und saubere Technik – dann Geschwindigkeit.

2026 ist für mich deshalb sportlich keineswegs abgeschrieben. Im Gegenteil. Vielleicht findet mein wichtigstes „Rennen“ dieses Jahr ganz ohne Startnummer statt.

Es ist der Weg zurück.

Und wenn ich im Frühjahr 2027 wieder an einer Startlinie stehe, möchte ich nicht denken:

Mal schauen, ob es geht.

Sondern:

Jetzt bin ich bereit. 🚵‍♂️💪

Woche 31

Zweimal Grund zum Feiern

Ab Woche 31 sollte es endlich wieder losgehen. Der Plan war klar: zurück in den Trainingsalltag und ab dem 1. August die Vorbereitung auf das eine oder andere sportliche Abenteuer im Spätherbst aufnehmen. Was genau auf dem Programm stehen wird, verrate ich noch nicht – schliesslich braucht jede gute Geschichte etwas Spannung.

Der 1. August war für mich dieses Jahr gleich aus zwei Gründen ein Feiertag. Natürlich wegen unseres Nationalfeiertags. Ich bin stolz und dankbar, in der Schweiz leben zu dürfen. Auch wenn nicht immer alles perfekt läuft, möchte ich mit keinem anderen Land tauschen.

Der zweite Grund war mein persönlicher Neustart. Nach den vergangenen Wochen wollte ich endlich wieder regelmässig trainieren und den Blick konsequent nach vorne richten.

Ganz ehrlich? Der Start verlief etwas holprig. Nicht körperlich – sondern mental. Irgendwie wollte der Kopf noch nicht ganz mitmachen. Keine Ausreden, einfach die Realität. Wer schon einmal nach einer grösseren gesundheitlichen Herausforderung zurückgekommen ist, weiss, dass die grösste Baustelle oft nicht die Muskeln sind, sondern der Kopf.

Am Ende standen trotzdem knapp acht Trainingsstunden mit Laufen und Krafttraining auf dem Konto. Die Mountainbikes mussten sich allerdings noch eine weitere Woche in der Garage gedulden. Ich bin sicher, sie haben mich schon etwas vorwurfsvoll angeschaut…

Trotzdem bin ich zufrieden. Nicht wegen der Anzahl Trainingsstunden, sondern weil ich wieder unterwegs bin. Der Weg zurück besteht nicht aus einem einzigen grossen Sprung, sondern aus vielen kleinen Schritten. Und jeder einzelne bringt mich meinem Ziel ein Stück näher.

Die Richtung stimmt. Jetzt gilt es, den Rhythmus wiederzufinden – und dann darf es im August Schritt für Schritt auch wieder etwas mehr werden.

Swiss National Day parade with alphorn players and Swiss flags
People celebrate Swiss National Day with a parade and traditional alphorn music

09.06.2026 Manchmal ist Nichtstun die härteste Einheit…

Die letzten Tage liegen hinter mir. Die meiste Zeit verbrachte ich unter einer Decke, oft liegend, begleitet von Schmerzen, Müdigkeit und der einen oder anderen düsteren Gedankenwolke. Zwischendurch gab es sogar Momente, in denen ich dachte: «Ich mag nicht mehr.»

Zum Glück hat man in solchen Situationen viel Zeit zum Nachdenken. Manchmal sogar etwas zu viel. Denn wenn der Körper zur Ruhe gezwungen wird, beginnt der Kopf oft Überstunden zu machen. Doch am Ende haben die negativen Gedanken nicht gewonnen. Im Gegenteil. Irgendwann wurde mir klar, dass ich noch das eine oder andere Ziel habe. Dinge, die ich erleben, erreichen und geniessen möchte. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Also weg mit dem Selbstmitleid und weg mit den dunklen Gedanken. Sie helfen weder bei der Genesung noch auf dem Weg zurück.

Unausweichlich nähere ich mich nun dem Termin, an dem es meinem Tumor an den Kragen geht. Bis dahin arbeite ich so hart wie es die Situation zulässt an meiner körperlichen Verfassung. Einerseits, um den Eingriff möglichst gut zu überstehen, andererseits, um danach wieder den Weg zurück zu sportlichen Leistungen zu finden.

Im Hinterkopf beginnt sich zudem ein etwas «verrückter» Plan für den kommenden Herbst zu formen. Noch ist es viel zu früh, darüber detailliert zu sprechen. Träume und Ziele dürfen reifen wie ein guter Wein.

Vorerst gilt der Fokus aber einer einzigen Aufgabe: Gesund werden.

Alles andere kommt danach.

02.06.2026 Ein Monat später – Kurs halten…

Vor genau einem Monat erhielt ich die Diagnose Nierenkrebs. Seitdem ist einiges passiert. Zahlreiche Arzttermine standen auf dem Programm, Untersuchungen wurden durchgeführt, Entscheidungen mussten getroffen werden und natürlich galt es auch, die Diagnose mental zu verarbeiten.

Wer schon einmal mit einer solchen Situation konfrontiert war, weiss: Die medizinischen Termine sind das eine. Die Gedanken dazwischen sind oft die grössere Herausforderung. Plötzlich beschäftigen einen Themen, die vorher weit weg schienen. Gleichzeitig läuft das normale Leben weiter und fordert seinen Platz.

Trotz allem habe ich in den vergangenen Wochen erstaunlich viel trainiert. Nicht immer mit Höchstleistungen, nicht immer mit voller Leichtigkeit, aber regelmässig und mit Überzeugung. Es gab körperlich gute Tage und es gab mentale Täler, die durchschritten werden wollten. Auch das gehört zur Realität dazu.

Gerade die Bewegung hat mir geholfen, den Fokus nicht zu verlieren. Auf dem Bike, beim Laufen oder beim Krafttraining werden viele Gedanken etwas leiser. Man konzentriert sich auf den nächsten Kilometer, den nächsten Anstieg oder die nächste Wiederholung – und plötzlich wirkt vieles wieder machbarer.

Besonders erfreulich ist, dass ich mich aktuell sehr gut fühle. Meine körperliche Verfassung ist auf einem erfreulich hohen Niveau und entwickelt sich weiterhin positiv. Das gibt mir Vertrauen für die bevorstehende Operation und die anschliessende Genesungsphase.

In den letzten Wochen habe ich zudem einige Dinge neu geordnet. Prioritäten wurden überprüft, Gewohnheiten angepasst und der Blick auf das Wesentliche geschärft. Dabei durfte ich feststellen, wie wertvoll ein gutes Umfeld ist. Familie, Freunde, Trainingskollegen und viele positive Rückmeldungen helfen mir dabei, diesen Weg mit Zuversicht und Motivation weiterzugehen.

Die Operation rückt näher und damit der nächste wichtige Abschnitt dieser Geschichte. Respekt davor habe ich. Angst jedoch nicht. Dafür gibt es schlicht zu viele Gründe, optimistisch zu bleiben.

Mein Ziel bleibt unverändert: Die Behandlung erfolgreich meistern, die Genesung konsequent angehen und möglichst bald wieder dort sein, wo ich mich am wohlsten fühle – auf dem Mountainbike, unterwegs in den Bergen.

Bis dahin gilt weiterhin: Fokus halten, nach vorne schauen und Schritt für Schritt weiterfahren. Denn auch der längste Anstieg endet irgendwann auf einem Gipfel.

„Mein nächstes Rennen: Krebs-OP im Juni“

Oder: Die härteste Etappe fährt man nicht freiwillig

Seit heute ist es offiziell:
Ich habe einen bösartigen Tumor an der linken Niere. Kurz gesagt: Krebs.

Momentan laufen die Vorbereitungen für die Behandlung, die im Verlauf des Junis stattfinden wird. Operation, anschliessende Erholung und danach Schritt für Schritt zurück in Richtung Normalität. Klingt nicht nach meinem Lieblings-Trainings- Wettkampfblock — ist aber halt jetzt der aktuelle Wettkampfkalender.

Dank moderner Robotertechnik werde ich vermutlich nur etwa 4–5 Tage Stationär im Spital verbringen. Das Gute an der ganzen Geschichte: keine Ableger, also aktuell ist keine zusätzliche Chemotherapie nötig.

Die Voraussetzungen für eine Heilung sind laut Ärzten insgesamt gut. Offenbar hat es doch Vorteile, wenn man seinem Körper jahrelang Berge, Kilometer und Höhenmeter zugemutet hat. Bis zum OP-Termin werde ich versuchen, mich so fit wie möglich zu halten, damit mein Körper den Eingriff besser wegsteckt.

Andere trainieren für einen Marathon oder die Tour de Suisse — ich halt momentan für eine Krebs-OP im Juni. Natürlich ist das keine einfache Situation. Aber auch keine unlösbare. Und wer mich kennt, weiss: Aufgeben war noch nie meine Lieblingsdisziplin. Wenn alles wie geplant läuft, sitze ich noch dieses Jahr wieder auf dem Velo. Spätestens zur Lombardei-Rundfahrt wollte ich sowieso fit sein… 😉

Fazit: Das Leben verteilt manchmal ziemlich brutale Etappen. Also fährt man sie halt. Gang runter, Kopf hoch und weiter. Wenn alles wie geplant läuft, sitze ich noch dieses Jahr wieder auf dem Velo. Spätestens zur Lombardei-Rundfahrt wollte ich sowieso fit sein. 😉

Fazit:
Das Leben verteilt manchmal ziemlich brutale Etappen. Also fährt man sie halt. Gang runter, Kopf hoch und weiter.

Trotz Gegenwind und trübem Wetter geht es vorwärts…