Herbstliches …

Ich erlebte in den vergangenen Wochen hier im Berner Oberland praktisch jeden Tag diesen „goldenen Oktober“ An Stimmungen, Farben und Wetter kaum zu übertreffen. Herrlich …

Neue Erfahrungen …

Nichts ist öder als immer den gleichen Trott und die gleichen Runden oder Strecken zu fahren. Ja ja ich kenne die Antworten wie: es gibt immer etwas zu entdecken, neues zu sehen, zu erleben und und usw. Für mich passt das nicht und für mich hat dieses ewig gleiche auch den Beigeschmack von Bequemlichkeit. Ende! Gravel-Race BernIch habe in den letzten 2 Wochen zum ersten Mal in meinem Leben einen Gravel- Event und einen Walking- Berglauf bestritten. 2 neue, spannende und vor allem fordernde Erfahrungen. Ich bin schon mehr als ein Jahr mit meinem Scott- Gravel unterwegs und nach ein paar Anfangsschwierigkeiten vertragen wir uns in der Zwischenzeit nach rund 2’500km blendend. Und dann gibt es doch dieseshttps://ridegravel.ch/ Gravelrennen in Bern, genauer im Bremgarten Wald (oder im „Bremer“ wie der Berner sagt). Ich habe mal direkt nebenan im Längassquartier gewohnt und war immer der Meinung ich kenne diesen „Bremer“ bestens. So gut dass ich behauptet hätte das eine 25km Runde im besagten Wald unmöglich zu realisieren sei. Der langen Rede Sinn: Es ist möglich und wie… Anmelden, anreisen Nummer fassen, alles bestens Covid-19 konform organsiert, Start und ab Gings in den Wald. Hin und her, auf und ab nach 30 Minuten war mir nicht mehr klar wo verdammt noch mal bin ich in diesem Wald? Auf der gut markierten Strecke ja schon, bloss wo? Die Spitze längst in weiter Ferne hinter mir (zum Glück) eine gross Lücke also weiter fahren. Nach etwas mehr als einer Stunde, 2 Stürzen ins Gebüsch und 3 verpassten (Kies) Kurven, ich nahm den Notausgang also geradeaus, km ich wieder in etwas bekanntere Gefilde um kurz danach das Ziel um einige Erfahrungen reicher zu passieren. Fazit: Mit dem Gravel zu trainieren ist das eine, ein Gravel- Rennen ist etwas ganz anderes. Ein Gravel- Bike hat keine Federung und auch keine MTB- Reifen. Für Euch getestet: Bergrunter im MTB- Stil und um die Kurve heizen funktioniert schlecht bis gar nicht. Wo ich sonst das MTB um die Kurve „werfe“ Sagt das Gravel: So nicht, mein Freund legt sich auf die Seite, verweigert die Lenkung oder fährt gerade aus. Das Ding will anständig und richtig inkl. Gewichtsverlagerung gesteuert werden. Fazit: erst eine anständige, Renntaugliche Gravel- Technik zulegen und im 2022 nochmals von vorne. (PS: an alle Besserwisser: ich weiss das Gravel Bikes früher Crosser waren aber nur fast…) IMG_20211031_161223_259(1)Zu Fuss unterwegs zu sein macht Sinn und in einer grandiosen Umgebung wie das Berner Oberland nun mal ist, ganz besonders. Schon in früheren Jahren als Ski- Langlauf noch meine Kernsportart war, gehörte das Berglaufen mit Stöcken zum Trainingsalltag. Daraus wurde dann Nordic- Walking usw. Am 04.11.2001 habe ich bei der damaligen Gurtenclassic in Bern-Wabern, das MTB- Rennen in der Kategorie Männer III gewonnen. Später war ich nie mehr am Start weil der November für mich immer „Offseason“ bedeutete. 2021 gibt es dieses MTB- Rennen nicht mehr es wurde durch ein Strassenrennen auf den Gurten ersetzt. Aber es gibt neben dem Radrennen auch einen Kurz- und den klassischen Gurtenlauf plus eine Berg- Walking Strecke von 10km mit einigen Höhenmetern und einem grossen Anteil an Berg und Waldwegen. Passt perfekt um die Saison ausklingen zu lassen oder… Das gleiche wie beim Gravel- Race: Anmelden, anreisen Nummer fassen, alles bestens Covid-19 konform organsiert. 09:35 der Startschuss und ab ging die Post zumindest die Spitze des Feldes. Ich hatte mich eher hinten eingereiht so mit dem Gedanken macht mal schön ich komme dann schon nach vorne. Denkste! Die ersten 30 LäuferInnen stürmten beim Startschuss los als wäre es ein Sprint. Ich hatte nach dem ersten Km bereits einen Rückstand von rund 150 Metern Tendenz steigend. Das Feld flog völlig auseinander und alle reihten auf den schmaler werdenden Wald- und Bergwegen irgendwo ein. Zum Glück ging es kurz vor km 2 erstmals richtig bergauf also mein Gelände und prompt kam ich näher an die Spitze heran, sobald es runter oder gerade aus ging zogen sie wieder davon … Das Spiel ging so weiter. Zum Glück bestand der 2. Teil hauptsächlich aus Anstiegen mit (sehr) kurzen Flächen. Ich verlor zwar kaum mehr Zeit aber mit aufholen war nix. Die Walking- Profis aus den ersten Startreihen hatten mir den „Zahn gezogen“. Mit meiner Leistung war ich zwar zufrieden nicht aber mit der Zeit resp. dem Abstand zur Spitze auch wenn ich zu den drei ältesten Teilnehmern gehörte. 2022 starte ich ganz vorne…

Flexibilität beim Sport macht Spass …

(oder, gemäss Duden: Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umstände.)

In den vergangenen Monaten wurden wir, was die Flexibilität anbetrifft, bedingt durch die äusseren Umstände öfters auf die Probe gestellt. Doch darauf möchte ich gar nicht eingehen zumal es da bereits genügend Meinungen, „Experten und Sachverständige“ gibt…

Ich meine persönliche Flexibilität und Anpassungsfähigkeit im Bereich Sport, Athletik und Fitness. Nicht das ich dem Radsport generell untreu werde, ganz im Gegenteil, er steht nach wie vor im Zentrum meiner Sportlichen Aktivitäten. Während ich früher alles daran setzte ein besserer Radsportler zu werden versuche ich seit geraumer Zeit ein besserer Athlet in meiner Altersklasse (70+) zu werden. Dessen bewusst das vieles was früher problemlos möglich war, heute nicht mehr geht, oder mit grösserem Aufwand verbunden ist. Mit Aufwand meine ich vor allem Zeit und eben diese Flexibilität.

Das gute gleich vorne weg. Mit 70+ habe ich mehr Zeit denn jeh zur Verfügung. (Wer das mit +70 nicht hat sollte sich mal zurücklehnen, sich ein paar grundlegende Fragen stellen oder sich Hilfe holen). Diese „Mehr“- Zeit brauche ich auch denn so geschmeidig, einfach und selbstverständlich wie früher läuft vieles nicht mehr oder halt mit etwas mehr Aufwand.

Genauso verhält es sich auch mit den Zielsetzungen. Dieses vor allem bei sportlichen Events. War es früher eine bestimmte Rangierung oder Zeit bei diesem oder jenem Wettkampf sind es für mich heute primär das ankommen und kein DNF. (Wenn ich mich nicht gut fühle dann lieber gleich ein DNS). Gibt es eine 70+ Kategorie ja klar dann geht es bei mir um die Rangierung da hat sich nichts geändert. Wobei bei den vielen Wettkämpfen ab 50+ alle in der gleichen Kategorie geführt werden. Ist eigentlich egal was interessiert ob ich Rang 353 oder 128 belegt habe…

Flexibilität auch bei der Wahl der Events. Es gibt ein paar die sind, zumindest vorläufig, jedes Jahr bei mir gesetzt. Dabei handelt es sich ausschliesslich um MTB- Marathons. Dazu kommen in den nächsten Monaten neue Erfahrungen und Herausforderungen. Nicht das ich jetzt die Sportart wechsle, nein ganz im Gegenteil ich will mit diesen Ergänzungen ein besserer „plus 70er MTB-Marathoni“ werden.

Alles begann mit einem Sturz. Nicht beim Biken sondern an einem regnerischen Tag im Garten. Man rutscht au aus und peng liegt man wie ein nasser Sack im Beet. Ok nix passiert, niemand hat es gesehen schnell aufstehen und weiter geht’s. Bloss es ist rutschig, matschig und Crocks an den Füssen sind suboptimal… Aus dem raschen aufstehen wird nix, im Gegenteil zweiter Abflug und ein ängstlicher Blick in die Runde ob es niemand gesehen hat. Der langen Rede kurzer Sinn Radsportler sind in der Regel etwa so beweglich wie eine Schneeschaufel, ich auch, und das musste sich ändern. In Absprache mit meinem Sportlichen Berater schwang ich mich vom Rad, griff zur Hantel, beschaffte mir eine Gymnastikmatte usw. Laufschuhe, LL-Ausrüstung plus ein Abo fürs Krafttraining hatte ich bereits. Also nutze es…

Dann, im März 2020 kam Covid-19. Fitnesszentrum geschlossen, Absage um Absage bei den Events, Lockdown usw. jeder hat das in irgendeiner Form erlebt.
Nach dem Absoluten Tiefpunkt, versagen auf Grund mentaler Probleme, bei meinem Lieblingsrennen (DNF nach persönlicher Bestzeit bei Streckenhälfte) ging ich über die Bücher und passte einiges an, liess anderes weg und verbesserte viele Details. Auch begann ich wieder regelmässig zu laufen und absolviere mein Krafttraining zu Hause im eigenen Kraftraum.

Das alles, auch die Ernährung, angepasst an meinen Jahrgang und gezielt für meine physischen Einschränkungen wie Endo Prothese im Knie oder Arthrose in Fussgelenken und Hüfte. Aktuell bin ich fitter, beweglicher, leichter und motivierter als vor 5 Jahren. Auch weil ich mir externe Mentale Hilfe zulegte.

Daraus ergaben sich auch neue Ideen und Herausforderungen. So bin ich am letzten Wochenende mein erstes Gravel- Rennen gefahren und werde diesen Monat auch noch an einem Laufevent teilnehmen. Das alles mit dem Ziel: Teilnehmen, ankommen, Spass haben und den Blick bereits auf 2022 gerichtet. Was auch immer dann kommen mag. Ich freu mich drauf und bleibe flexibel 🙂

Herbstanfang …

Wir werden älter …

Diesen schleichenden Prozess bemerkt man zu Beginn in der Regel kaum. Erst ab 50 Jahren spüren viele Menschen, dass sie zwar ihr Gewicht halten, aber mehr Fett ansetzen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Muskulatur abnimmt, während sich der Fettanteil erhöht. Auffällig ist zudem, dass die Schnellkraft der Muskulatur nachlässt und die Dehnfähigkeit der Muskeln abnimmt, während Verletzungen etwas länger zur Ausheilung brauchen. Damit aber noch nicht genug: Insgesamt benötigt der Organismus nämlich längere Erholungszeiten, das verfügbare Lungenvolumen (Vitalkapazität) geht zurück und auch Herz und Kreislauf verlieren an Leistungsfähigkeit.

ES IST NIE ZU SPÄT EIN CHAMPION ZU SEIN

Das sind trübe Aussichten aufs Alter hin. Es gibt aber durchaus auch gute Neuigkeiten, was uns erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler jenseits der 30 Jahre wie beispielsweise Nino Schurter, Nicola Spirig oder Abraham Tadesse beweisen. Wer nämlich Trainingsintensität und Trainingsvolumen beibehält, kann insbesondere in Ausdauersportarten der Abnahme entgegenwirken und mit der Erfahrung in den Wettkämpfen vieles wettmachen. Wichtig ist, dass mit zunehmendem Alter die Kraft, die Beweglichkeit und die Koordination parallel zum Ausdauertraining gefördert werden, weil es mehr braucht, um den Körper in Schuss zu halten.

DIE WICHTIGSTEN TIPPS:

  • Akzeptiere die Tatsache, dass (auch) du älter wirst und sich dein Körper verändert.
  • Halte die Trainingsintensität und das Trainingsvolumen hoch, wenn du den Leistungsabbau hinauszögern möchtest.
  • Sei bereit, mehr in begleitende Massnahmen wie Kraft, Koordination und Beweglichkeit zu investieren, damit dein Bewegungsapparat nicht der limitierende Faktor wird.
  • Vergiss nie, dass Training und Erholung zusammengehören, und dass sich die Erholungszeit mit zunehmendem Alter verlangsamt.
  • Die Freude an dem, was du tust, sollte immer die Haupttriebfeder sein.

Beitrag von Valentin Belz und Datasport